Subversion oder Indoktrination auf edX?

Im regelmäßigen Newsletter von edX weckte ein Kurs meine besondere Aufmerksamkeit: Introduction to Mao Zedong Thought von der Tsinghua University.

Ein Professor der Tsinghua University’s School of Marxism führt dort in die Theorien Maos und ihre Wirkungen auf das heutige China ein.

Der Kurs hat (frei übersetzt) drei Lerninhalte:

  • Maos drei wesentlichen Theorien…
  • Der Einfluss von Mao Tse-tungs Denkweise auf das moderne China.
  •  Verständnis eines politischen Kurses, dessen Belegung von allen chinesischen Studierenden gefordert wird.

Was ist die Intention einer chinesischen Universität und ihres Professors einen derartigen Kurs auf Englisch der Weltöffentlichkeit prominent auf edX zugänglich zu machen? Die Kursankündigung sagt selbst: „Introduction to Mao Zedong Thought gives learners around the world a rare peek into a course that millions of university students in China are required to take each year.“  Ist das ein Propagandakurs? Ist es ein interkultureller Kurs für das bessere Verständnis chinesischer Denkweisen? Oder ist es eine Form der Subversion, bei der von drinnen nach draußen gezeigt wird, schaut her, wie wir denken müssen?

Aus eigenen Erfahrungen in der Schulung von Chinesen weiß ich, wie tief marxistisches Gedankengut in vielen – nicht allen – Köpfen verankert ist. So erklärten mir z.B. Ingenieure (!) in Diskussionen über Umweltverschmutzung und Klimawandel, dass eine katastrophale Wendung des Klimas nicht möglich sei, da die Menschheit sich doch durch gesellschaftliche Umwälzungsprozesse immer weiter zum Besseren entwickeln müsse. Das marxistische Geschichtstheorie nichts mit physikalisch-chemischen Prozessen in unserer Atmosphäre zu tun hat, verstanden sie nicht.

Propaganda oder Subversion? Auf jeden Fall „ein seltener Einblick in einen Kurs, den jedes Jahr Millionen von Universitätsstudenten in China belegen müssen“. Vier Wochen lang jeweils drei Stunden könnten interessant und lehrreich sein, um zu verstehen, mit welchen Denkweisen mehr als ein Fünftel der Weltbevölkerung in seinem Bildungssystem ausgebildet wird.

FH Lübeck expandiert im E-Learning

E-Teaching.org berichtet, dass die FH Lübeck neue Stellen im Bereich der Entwicklung von Massive Open Online Courses (MOOCs) und in der Weiterentwicklung der verwendeten Softwareplattformen ausschreibt.

Gesucht wird u.a. ein/-e MOOC-Spezialist/-in zur Mitarbeit in der Entwicklung von bis zu 40 MOOCs bis 2020.

Zwei Softwareentwickler sollen die eigene Plattform für Inhalte (LOOP auf Basis von MediaWiki), die ERP-Software Moodalis (zur Verwaltung u.a. von Modulen, Studierendendaten und LMS) sowie die MOOC-Plattform MOOIN (auf Basis von Moodle) weiterentwickeln.
Source: Arne Möller auf E-Learning-Blog der FH Flensburg

MOOC-Wettbewerb der FH Lübeck

Oncampus, die E-Learning-Tochter der FH Lübeck, schreibt einen MOOC-Wettbewerb aus: MOOC of the Year 2016

Zu gewinnen sind die Produktion eines MOOCs und 5000,- Euro Aufwandsentschädigung.

Bewerbungsschluss ist der 16. August 2015.


Source: E-Learning-Blog FH Flensburg

Why my MOOC is not Built on Video

In ihrem gleichnamigen Blogbeitrag auf edSurge berichtet Professorin Lorena Barba, warum sie den teuren Einsatz von Videos in ihrem MOOC für überflüssig hält.


Source: Arne auf FH Flensburg

Georg Siemens und die Eier-legende-Wollmilchsau

George Siemens hat einen neuen MOOC auf Edx gestartet. Das Besondere an diesem MOOC ist allerdings, dass Siemens und sein Team versuchen das Konzept eines konnektivistischen cMOOCs mit einem xMOOC in einem Kurs zu vereinen. Teilnehmende sind dabei frei ihren Weg zu wählen oder auch zwischen den zwei Strängen zu springen.

In einem Artikel in seinem Blog reflektiert er nun zu den Reaktionen der Lernenden nach der ersten Woche.  Eine seiner Erkenntnisse lautet:

„Early MOOCs were easy to run because expectations hadn’t normalized. It’s different now. Learners engage with MOOCs with views of what should be happening and are comparing courses to what they’ve taken recently. The standards of quality content are higher than they were in the past.“

Da ist schon eine gewisse bittere Ironie. Der Mann, der mit seinen konnektivistischen Ideen zu den Erfindern des Begriffes MOOC gehört, muss jetzt feststellen, dass er unter diesem Namen seine Ideen nicht mehr umsetzen kann, da instruktivistisch geprägte xMOOCs die Erwartungshaltung von Lernenden an Lernen in MOOCs konditioniert haben.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist:

„We need to get better at on-boarding learners to engage in digital distributed spaces. My comments above reflect real experiences of learners who are finding the course format confusing. It’s not sufficient to say “well, what you really need is a world-view shift”. As designers, we have to support and guide that transition. We are not doing that well enough.“

Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage, ob Konnektivismus beschreibt, wie gelernt wird oder wie gelernt werden sollte.  Siemens formuliert dazu:

„The most important learning shift is not yet happening. Learning in complex knowledge environments requires navigating distributed spaces (wayfinding), acting with partial information, sensemaking, and becoming comfortable without reading everything. This shift is difficult – it’s as much a world view shift as a learning task, as much about our identity as the learning content. It’s not easy and it’s unsettling and frustrating.“

Haben wir es also wirklich mit einer kopernikanischen Wende zu tun, bei der diejenigen, die nicht verstehen – in diesem Fall das konnektivistische Lernparadigma – einfach auf der falschen Seite stehen und irgendwann durch die voranschreitende Geschichte belehrt werden?

Dynamische Wandel in Technologie und Gesellschaft stellen heute hohe Anforderungen an alle Menschen bezüglich einer geringen Unsicherheitsvermeidung (s. Hofstede). Haben wir diese dynamischen Prozesse genug in unser Verständnis von Lernen und unsere Lernkultur integriert bzw. ist dieses überhaupt erstrebenswert?

Spannend finde ich, dass die Art wie wir lernen und lehren so stark von den Antworten auf diese Fragen abhängig ist, selbst wenn wir uns nicht einmal bewusst sind, dass wir sie für uns beantwortet haben.

Können Computer Lehrenden den „langweiligen Anfängerkram“ abnehmen?

In Gesprächen mit Lehrenden ist häufig zu E-Learning die Erwartungshaltung zu hören, dass die Technik die Vermittlung der Anfängerkenntnisse übernehmen könnte, damit sich die Lehrenden auf Kompetenzvermittlung konzentrieren können. Erfahrung und Studien scheinen zu zeigen, dass sich diese Strategie nicht auszahlt.

Beispiele:

Harvard Business Review (HBR) berichtet von einer Studie, die untersucht hat, ob sich für die US Navy die Verlagerung von Anfängerkursen aus dem Klassenraum in CBTs (computer based trainings) bezahlt gemacht hat. Laut HBR ermittelte die Studie (Abstract) zusätzliche Wartungskosten von 16 Millionen Dollar durch schlecht ausgebildete Seeleute – allein für den Bereich eines speziellen Sonarsystems.

In eine ähnliche Richtung deutet das Scheitern von Udacity mit Mathe-Nachhilfekursen (remedial classes) für Studienanfänger an der San Jose State University. Laut InsideHigherEd erzielten die Studierenden in den Online-Kursen deutlich schlechtere Ergebnisse als Kommilitonen in Präsenzveranstaltung. Hier sollen allerdings auch eine hastige Erstellung und schlechte Betreuung der Online-Angebote Einfluss gehabt haben.

Ein Interview auf CHECKpoint.elearning berichtet von einem gescheiterten E-Learning-Projekt im Handwerk, bei dem angehende Meister Kalkulation in WBTs (web-based trainings) erlernen sollten.

Was kann man daraus lernen?

Schon 2003 (sic!) fand K. Swan in einer Literaturstudie zu LEARNING EFFECTIVENESS ONLINE:
WHAT THE RESEARCH TELLS US, dass ein Ergebnis der Forschung sei:

„The quantity and quality of instructor interactions with students is linked to student learning.“

„Learning occurs socially within communities of practice; there is greater variability in sense of community ratings among online courses than in F2F courses.“

Beides mag für Anfänger in einem Feld noch besonders ausgeprägt sein. Damit erfordert der Einsatz von E-Learning für Einführungsveranstaltungen eine besonders sorgfältige Planung und vor allem auch Begleitung. Die erwünschten Effizienzgewinne sind so – in diesem Bereich – nicht unbedingt zu erzielen.